Gemeinde
Geratskirchen

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Gemeindegeschichte

Aus der Geschichte Geratskirchens

zusammengestellt von Robert Janker, Rektor a.D.

Das Gebiet um Geratskirchen mit dem von sanften Höhenzügen umgebenen Geratal verdankt seine Ausformung der Tertiär- und Quartärzeit. Die Verwitterungskräfte gaben der Landschaft schließlich die heutige Gestalt.

Durch die Kiesschichten erreicht Geratskirchen, Mitterskirchen , aber auch Dietfurt das klare Trinkwasser eines unterirdischen Stromes aus der Inngegend. An den Hängen liegt fruchtbarer Lehm- und Ackerboden. Dort , wo die Humusschicht dünn auf dem Kiesgrund lagert, sind die Hänge bewaldet. Kiefernwälder sind Indikatoren für Kies und Sandgrund. Im Talgrund hinterließ die Gera sumpfige Bachwiesen, die zwischen den beiden Weltkriegen durch die Begradigung des Baches teilweise trockengelegt wurden.

Der mammutähnliche Urelephant, das Mastadon durchstreifte vor 20.000 Jahren das Geratal bei einem eisigen Klima, wie im heutigen Sibirien.

In Leithen, bei Geratskirchen, fand der Bauer Altersberger in einer Kiesgrube Zähne und Knochenreste des Urelephanten.

In einer Kiesgrube in Endach bei Hirschhorn wurden Reste eines Gebisses eines "Dinotherium giganteum" gefunden

Frühe Besiedelung

Grabhügelfunde zwischen Au und Kroneck künden von einer Besiedelung, die in die Bronzezeit zurückreichen könnte .

Geratskirchen, ein Ort mit 1200 Jahre alter Geschichte

Theodbert, (718- 727), der Sohn des Agilolfinger Herzogs Theodo (696-718) hatte das Gebiet der "Tiefstatt", das heutige Geratal, dem Hochstift Salzburg geschenkt.

Elisabeth von Geratskirchen heiratete 1347 Rudiger Maroltinger. Etwa 300 Jahre lang war das Geschlecht der Moroltinger oder Maroltinger Besitzer der Hofmark Geratskirchen. Das Baierische Lehensbuch bestätigt , dass Urban Maroltinger am 11.11.1413 den Sitz zu Geratskirchen als herzogliches Lehen erhalten hat. Die Immatrikulation der Maroltinger zu Geratskirchen fand ab ca. 1470 statt

1506 erhielt Rudolf Maroltinger, Pfleger von Ötting aus der Hand des Herzogs Albrecht die beiden Sitze Geratskirchen und Wolfseck. Rudolf scheint keine männlichen Nachkommen hinterlassen zu haben; denn nach seinem Tod wurde 1515 sein Vater Hans Maroltinger zu Getzersdorf in Niederösterreich mit beiden Sitzen belehnt, berichtet Ludwig Gernhardt, München .

Es ist die furchtbare Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Eggenfelden, Altötting und damit auch das Geratal erlebten 1632 und 1634 die ersten Einfälle der Schweden. 1632 stirbt Graf von Tilly. 1648 hatte Pater Johannes Still Eggenfelden vor dem Niederbrennen retten können.

In dieser Zeit pilgerten viele zur Wallfahrtskirche Sankt Corona in Hindernaich (Niederaich) und flehten die gekrönte Maria um Hilfe an.

Die Pest raffte täglich die Menschen, die Hunger und Not litten, dahin. Die Höfe und Güter verloren auch im Geratskirchner Gebiet ihren Wert, mussten in der Not verkauft werden .

Am 24.02.1637 übernahm Johann Mändl aus dem Geschlecht der Grafen von Ortenburg, von und zu Deutenhoven den Besitz . . Nach seinem Tod am 12. August 1666 erhielt das herzogliche Lehen zu Geratskirchen und Wolfsegg sein Sohn Hans Ulrich, Regimentsrat zu Straubing.10 Kurfürst Max Emmanuel verlieh 1686 nach dem Ableben des Hans Ulrich dessen Sohn Anton Josef Adam Mändl, Freiherr von und zu Deutenhoven, Herr von Münchsdorf, Wolfsegg, Waldberg, Regenpleistein und Geratskirchen die herzoglichen Sitze zu Geratskirchen und Wolfsegg .

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Am 11.Juli 1730 wurde ein Lehensbrief für Geratskirchen und Wolfsegg für Charlotte Gräfin von Spreti aus dem Hause der Freiherren von Ingenheim ausgestellt. Sie hatte die Güter käuflich erworben. Die lehensherrliche Zustimmung wurde am 12.09.1729 in das Lehensbuch eingetragen.

1752 wurden die beiden herzoglichen Sitze Geratskirchen und Wolfsegg geteilt. Als neuer Besitzer wird Freiherr von Viereck genannt .

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Geratskirchen unterstand 1752 dem Landgericht Eggenfelden.

Geratskirchen wird 1752 in den Niederschriften der " Altbaierischen Landschaften" als "beschlossene Hofmarch mit rechtlichem Status seit 1560 beschrieben. Es war ein kurfürstliches Ritterlehen mit Burgstall ohne Schloss und Sitz. Wegen der Grenzlage wurde der Hofmark auch manchmal dem Gericht Ötting zugeordnet

Niedere Gerichtsbarkeit über das kurfürstliche Lehen übten die adeligen Herrschaften, die Freiherren von Viereck, aus.

Das Pfarrdorf Geratskirchen hatte im Jahre 1752 20 Anwesen

Noch im 19.Jahrhundert zählte der, dem herzoglichen bzw. lehensweise beurbarte Hof zu Hinteraich mit seiner Wallfahrtskirche zur Obmannschaft Geratskirchen im Amt Pleiskirchen.

Am 23. Dezember 1778 wurde wieder ein Nachkomme aus dem Hause des Herrn von Mändl mit dem kurfürstlichen Morolingischen Lehen zu Geratskirchen und Wolfsegg belehnt. Franz Nono Adam Freiherr von Mändl war 64 Jahre alt, als ihm Kurfürst Karl Theodor die beiden Hofmarken übertrug.1783 verschied Adam Mändl. Er wurde auf seinem Stammsitz in Deutenhoven bei Dachau beigesetzt.

Das Geschlecht der Grafen Arco übernahmen 1780 die Lehen zu Geratskirchen und Wolfsegg.

Zwecksberg war kurfürstliches Lehen und hatte 1560 und 1737 den rechtlichen Status einer unbeschlossenen Hofmark.

Ulrich Mermoser wurde 1470 mit einem "Sedelhof" belehnt. In den Lehensbüchern von 1474 wird Thomas Mermoser zu Zwecksberg genannt.

1817 hatte Freiherr von Closen mit Graf Lösch Güter der Hofmark Hellsberg, die im Gerichtsbezirk Eggenfelden lagen, getauscht.

Am 9. 4.1821 löste Freiherr von Closen Zwecksberg aus der Hofmark Hellsberg heraus und meldete die Hofmark als Patrimonialgericht an. Alle seine Güter aus der Hofmark Hellsberg, die im Eggenfeldener Gericht lagen, schlug er der Hofmark Zwecksberg zu. Die gutsherrliche Gerichtsbarkeit erhielten normalerweise nur größere Hofmarken. Freiherr von Closen erwirkte jedoch die Patrimonialgerichtsbarkeit I (streitige und freiwillige) jedoch auch für den Sitz Zwecksberg.

Die Kirche St. Nikolaus wurde schon im 13, Jahrhundert gebaut. Sie besitzt noch romanische Fenster und wertvolle Fresken aus dem 15. Jahrhundert.1967 überließ Familie Sommer die Kirche der Pfarrkirchenstiftung .

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Kriegswirren: Einen Einblick in die Wirren und Nöte während der Napoleonischen Kriege gibt 1834 der Schuhmacher Thomas Schmalzgruber. In der Zeit von 1804 bis 1811 hatte er an 3 Feldzügen teilgenommen, die ihn tief nach Russland, nach Stralsund, Italien Frankreich und Flandern geführt hatten.

Die 28 Gefallenen und Vermissten des 1. Weltkrieges und die 49 Gefallenen im 2. Weltkrieg künden von der Not der Zeit.

Am 22. November 1944 töteten 49 Bomben, die in Stadlthann und Küblgrub von amerikanischen Flugzeugen abgeworfen wurden, 10 Menschenleben. Die Freiwillige Feuerwehr löschte die Brände und leistete Erste Hilfe.

Gegen Ende des Krieges fanden viele Flüchtlinge und Ausgewiesene Zuflucht in Geratskirchen.

Bildung der Steuerdistrikte und der politischen Gemeinden:

Mit der Neugründung der bayerischen Verwaltung zu Beginn des 19. Jahrhunderts werden zunächst sogenannte Steuerdistrikte gebildet, dann aus den Steuerdistrikten politische Gemeinden . Aus dem Steuerdistrikt Geratskirchen werden die patrimonalgerichliche Gemeinde Geratskirchen I und die landgerichtliche Gemeinde Geratskirchen II. Ausgegliedert wurden damals Biedersberg, Rotheneich und Siebengattern . Noch am 30.4.1820 war vom königlich – bayerischen Innenministerium für Geratskirchen I die Patrimonialgerichtsbarkeit I unter der Gräfin von Leyden und der Freifrau von Wittmann, geb. Gräfin von Arco genehmigt worden. Diese "Niedere Gerichtsbarkeit" wird erst 1848 aufgehoben.

Mit der Entschließung v. 16.12.1848 wurden die Gemeinden Geratskirchen I und II vereinigt.

Der Bischofsstab im Wappen erinnert an die über 1200 Jahre lange Geschichte des Ortes. 790 nennt die Aufzeichnung des Bischofs Arn 2 Kirchorte im Tiefstättental zum Bistum Salzburg gehörig. Die Schilfkolben deuten an, dass der Ort am Rande des ehemals sumpfigen Geratals gegründet wurde. Im 19. Jahrhundert drainierte man das Tal

1955 wurde Geratskirchen II wieder selbständig verwaltete oberbayerische Gemeinde und in "Gemeinde Wald" umbenannt. Im Zuge der Gebietsreform gliederte man "Wald" in den Gemeindebereich Pleiskirchen ein.

1975 Geratskirchen als zweitkleinste Kommune selbständig

Bei der Durchführung der Gebietsreform 1975 konnte Geratskirchen die Selbständigkeit als Gemeinde erhalten. Seit 01.05.1978 gehört Geratskirchen zur Verwaltungsgemeinschaft Massing.

Den Bürgermeistern Ludwig Wintersperger, Adolf Schachtner und seinen Gemeinderäten gelang es, die Aufwärtsentwicklung des Ortes durch die Erschließung von Siedlungsgrundstücken mit Kanal –Wasser- und Straßenanlagen vehement vorwärts zutreiben.

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Die Bürgermeister der Gemeinde Geratskirchen

1825-1845

Johann Hafner (Huber zu Leiten)

1884-1893

Franz Weiß  (Bettstetten)

1894-1899

Martin Wimmer 

1900-1905

Rothmaier

1906-1911

Franz Weiß

1912-1918

Hirtlreiter Mathias (Ritzinger Opa)

1919-1936

Georg Weiß  (Harpeding)

1936-1945

Anton Unterbauer (Haneck), 1945 von der amerikanischen Militärregierung abgesetzt..

1945-1969

Rupert Schmiededer (Onatsberg), von der amerikanischen Militärregierung eingesetzt, später gewählt.

1969-1984 Ludwig Wintersperger (Braunsberg)
1984-1999 Adolf Schachtner + 22.1.1999
Seit 25.04.1999 Johann Gaßlbauer

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Bedeutende Baumaßnahmen und organisatorische Maßnahmen

1963 Schulhausbau
1969 Gründung des Schulverbandes Mitterskirchen- Geratskirchen- Pleiskirchen
1971/1972 Ausbau der Gemeindestraße Braunsberg
1971 Die Sportanlage wurde neu angelegt
1972 Siedlungsbau: Gerasiedlung 1.Abschnitt
1972 Bau der Kläranlage
1975 Bau des Gemeindebrunnen, Bau der Wasserversorgung
1976 Straßenbau Zwecksberg
01.05.1978 Gebietsreform: Eingliederung in die Verwaltungsgemeinschaft Massing
1980 Siedlungsbau: Gerasiedlung 2. Abschnitt
1985 Bau der Gemeindestraße nach Leiten
1992 Siedlungsbau: Harpedinger Feld
1992 Bau der Hochbehälter für die Wasserversorgung
1992 - 1994 Bau des Rathauses mit Feuerwehrhaus (Eigenleistungen der Freiwilligen Feuerwehr)
1995 Bau der Stockschützenhalle (Eigenleistungen des Sportvereins)
1996 Sportplatzerweiterung im nördlichen Bereich (Spielflächen)
1996 Siedlungsbau: Reisacher Feld, unterer Teil
1996 Drucksteigerungsanlage Wasserversorgung Herrnholz
1997 Siedlungsbau: Reisacher Feld, oberer Teil
1997 Drucksteigerungsanlage für das Siedlungsgebiet Reisacher Feld
1999/2000 Bau des Vereinsheimes auf dem Sportplatzgelände mit Turnraum, Tischtennisraum im ausgebauten Dachgeschoss ( Eigenleistungen des Sportvereins)
2000 Abbruch des alten Schulhauses (Platz für Friedhofserweiterung)
2001/2002 Friedhofserweiterung mit Urnenwand (freiwillige Arbeitsleistung von der Pfarrgemeinde)
2002 Bau der Verbindungsstraße Reisacher Feld
2002 Gehweg Reisacher Straße - Kreuzung
2002 Bau Schulstraße mit Gehweg
2002 Aufteerung des Kirchenweges
2002/2003 Bau der neuen Kläranlage
2004 Straßensanierung, neue Teerdecke Gemeindestraße Bereich Garten Nonnbergerstraße
2004/2005 Erweiterung Wertstoffinsel
2006 Wasseranschluss an die Zentrale Wasserversorgung im Außenbereich Ortsteile Leithen und Deckstadt
2006 Neubau der Gerabrücke durch den Landkreis PAN 30 mit Gehweganschluss der Gemeinde 
2007 Aufstellung Bebauungsplan für Siedlungsgebiet "Leithen"
2007/2008 Bau der Abwasserbeseitigungsanlage BA 07 Außenbereich Braunsberg - Herrnholz
2008 Feinteerung Siedlungsgebiet Reisacher Feld
2009 Kauf Schulgebäude
2009 Bau der Abwasserbeseitigungsanlage BA 08 Außenbereich
2009 Straßenbau im Zuge der Alm- und Hoferschließung Hermannsreuth
2009 Straßenbau im Zuge der Alm- und Hoferschließung Kroneck

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Diese Maßnahmen schlugen sich äußerst positiv in der Dorfentwicklung und in der Zunahme der Einwohner nieder:

Einwohnerstand seit der Zählung 1840

1840 650 EW 1900 627 EW 1990 623 EW 2000 783 EW
1852 575 EW 1905 685 EW 1991 652 EW 2001 793 EW
1855 546 EW 1910 678 EW 1992 661 EW 2002 816 EW
1861 553 EW 1919 707 EW 1993 663 EW 2003 820 EW
1867 549 EW 1925 707 EW 1994 681 EW 2004 839 EW
1871 556 EW 1933 706 EW 1995 687 EW 2005 864 EW
1875 549 EW 1939 648 EW 1996 707 EW 2006 882 EW
1880 593 EW 1946 879 EW 1997 726 EW 2007 879 EW
1885 586 EW 1950 841 EW 1998 769 EW 2008 889 EW
1890 612 EW 1952 788 EW 1999 776 EW    
1895 654 EW 1961 595 EW        
    1970 590 EW        
    1978 570 EW        
    1983 590 EW        
    1987 597 EW        
EW = Einwohner

Bürgermeister Adolf Schachtner hatte die Gemeinde Geratskirchen 15 Jahre lang geführt , wesentlich zur Weiterentwicklung beigetragen und als Feuerwehrvorstand 23 Jahre lang vorbildlich für unsere Wehr gearbeitet. Ihm gilt ein besonderer Dank der Freiwilligen Feuerwehr.

Nach seinem zu frühen Tod leitete Johann Gaßlbauer vom 22.01.-24.04.1999 die Gemeinde Geratskirchen. Das Amt des 1. Bürgermeisters übernahm am 25.04.1999 Johann Gaßlbauer nach seiner Wahl. Eine Fülle von Aufgaben erwarten ihn. Um die Entwicklung des Ortes weiter voranzutreiben, ist die Gemeinde bereit, bei Bedarf neues Siedlungsgebiet auszuweisen. Die Kläranlage muss für die Zukunft ausgebaut, der Friedhof erweitert werden.

Der Ausbau einiger Gemeindestraßen gehört ebenfalls zu den wichtigen Projekten der Gemeinde Geratskirchen für eine fortschrittliche Zukunft Zweitausend

Dies ist nur ein Auszug aus dem umfangreichen Material, das Herr Rektor a. D. Robert Janker zusammengetragen hat. Bei Interesse an der kompletten Geschichte inklusive aller Quellenangaben wenden Sie sich bitte direkt an Herrn Janker mit einer E-Mail.

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